Turnverein Rees e.V.
1955 - 2005
50 Jahre Turnverein Rees e.V.
Zwischendurch einige Fotos aus dieser Zeit
Am 18. Juni diesen Jahres begeht der Reeser Turnverein sein 50 jähriges Bestehen. In der näheren und weiteren Umgebung unserer Vaterstadt, ist dieser Turnverein gewissermaßen noch ein »Jüngling« im Kreise der sporttreibenden Vereine. Der TV Rees, gegründet auf einer stolzen Tradition, wurde in den letzten Jahren durch weitere Sport- und Therapeutische Abteilungen ergänzt. Das von zwei gewaltigen Säulen getragene Fundament, prägt auch noch heute den jungen TV Rees und wird auch weiterhin den Turn- und Spielbetrieb mit Begeisterung und zum Wohle der Allgemeinheit Rechnung tragen.
1958
Keiser-Geburtstagsfest
des Turnerklub "Einigkeit" Rees
Gemeint sind hiermit zwei Traditions- Turnvereine, die jedem älteren Reeser noch in denkbar bester Erinnerung sind. Nämlich der »Reeser Turnverein von 1861» und der "Turnerklub Einigkeit« gegründet im April 1905. Was beide Vereine, manchmal bedingt und gefördert durch die ortsnahe Rivalität, für die niederrheinische Turn- und Sportbewegung geleistet haben, kann aus historischer Sicht nur als grandios bezeichnet werden. Bringen Sie daher dem "Historiker" Verständnis entgegen, wenn er sich nicht damit begnügt, die 50 Jahre des jetzigen Jubilars »Turnverein Rees» aufzuzeigen.
Gewiss, auch diese verhältnismäßig kurze Zeitspanne könnte bereits Bände füllen, wenn man über die Erfolge und den aus Idealismus geborenen Einsatz der jungen Reeser Turngenerationen berichten wollte. Das soll im zweiten Abschnitt dieser Chronik auch geschehen. Weil dieser Verein es bei der Gründung im Jahre 1955 aber bewusst übernommen hat, das Andenken und die Tradition der alten Reeser Turnvereine zu wahren und zu pflegen, soll auch an dieser Stelle etwas über die Gründerjahre und die Entwicklung des Reeser Sports niedergeschrieben werden. „Auf der Höhe seines Lebens blickt der Mensch zurück und lacht, sieht die Zeit war nicht vergebens, stolz darauf, was er vollbracht!“ So wollen auch wir einmal zurückschauen, Dankbarkeit und Anerkennung denen bekunden, die durch Initiative und Wagemut auch in Rees eine Entwicklung einleiteten, deren Früchte wir heute ernten können. Entwicklung des »Sports für jedermann"! Aus der Literatur ist uns bekannt, dass bereits lange vor der Zeitenwende in den Ländern der antike Sport betrieben wurde.
Gerd
Mai beim Schauturnen 1957
Sowohl in Griechenland als auch im römischen Imperium nahmen Veranstaltungen dieser Art einen breiten Raum ein. Während aber die sportlichen Wettkämpfe der Hellenen im heiligen Hain von Olympia zur Entwicklung und Verherrlichung des menschlichen Körpers stattfanden, dienten Faust- und Ringkämpfe im alten Rom in erster Linie zur Belustigung des Volkes und endeten für die Teilnehmer nicht selten tödlich. Bei einigen Naturvölkern finden wir noch heute Spiele und Tänze, die bei näherem Zusehen durchaus als echte sportliche Betätigung bezeichnet werden können. In unseren Breitengraden war der Sport als waffenloser Wettkampf, sieht man einmal von den mittelalterlichen Ritter und Turnierspielen ab, so gut wie unbekannt.
Diese Turniere hatten mit unseren heutigen Sportvorstellungen nicht das geringste Gemeinsame und waren für die Masse der damaligen Bevölkerung nicht zugängig. Nur für Leute »vom hohen Stand", also für Ritter und regierende Fürsten war dies eine »standesgemäße Betätigung". Wen wundert's da, dass es einer Revolution gleichkam, als Friedrich-Ludwig Jahn im Jahre 1811 die Jugend aller Stände auf der Hasenheide bei Berlin zusammenrief und hier das Turnen als Volkssport proklamierte? Jahn hatte schon sehr früh erkannt, dass die Liebe zum Turnen und die Ausübung dieses Sports in der Gemeinschaft nicht nur die Gesundung des Körpers fördert, sondern auch den Geist des Menschen beflügelt und die Liebe zur Heimat wachsen lässt. Mit anderen Worten, er wollte den "gesunden Geist in einem gesunden Körper». Aus dieser Idee Jahns, die immer weitere Kreise zog, entwickelte sich später die »Deutsche Turnerschaft«. Der Breitensport war geboren.
Schauturnen
1957
Die Entwicklung des Turnsports in Rees
Rund 50 Jahre mussten immerhin vergehen, bevor auch in Rees ein Verein gegründet wurde, der das Turnen im Geiste der vier »F« (frisch-fromm-fröhlich-frei )auf sein Panier schrieb. Am 15. Juli 1861 gründeten Reeser Bürger nach einem begeisternden Aufruf des Herrn G. C. Müller, damals an der Dellstraße wohnend, den »Reeser Turnverein 1861«. Interessant, auch aus heutiger Sicht, sind die damals erlassenen Vereinssatzungen. So heißt es beispielsweise im § 1 dieser Satzung wörtlich:
»Der Turnverein gründet sich auf den Turnerwahlspruch: Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei und setzt sich demgemäß zur Aufgabe, das Streben nach einem frischen, frommen, fröhlichen und freien Leben durch turnerische Kräftigung des Körpers und des Geistes'"
Strenge Disziplin wurde in der vom Verein erlassenen Turnordnung von allen Mitgliedern, insbesondere aber von den aktiv Turnenden gefordert. Das Hauptaugenmerk richtete sich auf die Erfassung und körperliche Ertüchtigung der Jugend. wobei aber auch fördernde Mitglieder als Turnfreunde dem Verein herzlich willkommen waren. Überhaupt waren Idealismus und persönliche Einsatzbereitschaft die Trumpfkarten dieses jungen Turnvereins, der in den Gründerjahren finanziell wahrlich nicht auf Rosen gebettet war. So wurde beispielsweise ein Antrag an die Stadt auf finanzielle Unterstützung bei der Beschaffung der zum Sportbetrieb dringend notwendigen Turngeräte von den uneinsichtigen Stadtvätern einfach abgelehnt, obwohl der damalige Bürgermeister de Witt eitriges und förderndes Mitglied des Vereins war.
1957
Welch ein Gegensatz zu der heutigen Zeit, wo "Auch Sportler (z.B. Profi-Fußballer. Tennis-Asse usw.) durch die Ausübung ihres Sports horrende Summen verdienen und dabei häufig sehr reich werden. Als Übungsplatz galt von Anfang an das Lokal Disch auf dem damaligen Rheintor. (Dieses Lokal wie auch das Rheintor wurden im letzten Weltkrieg durch Bomben und Artillerie-Beschuss restlos zerstört). In den Sommermonaten wurde draußen im Garten geturnt, während man im Winter im kleinen Saal der Gaststätte Zuflucht suchte. Wie anders sieht auch das heute aus, wo die Jugend der Stadt Rees in fünf modern eingerichteten, mit allen Geräten versehenen Turnhallen mit Lust und Liebe Sport treiben kann. Bereits nach einem Jahr, nämlich am 17. August 1862, wurde das erste Reeser Turnfest im Garten von Disch mit großem Erfolg gefeiert und schon 1863 nahm eine Abordnung des Vereins am nationalen Turnfest in Leipzig teil. In den Folgejahren waren Reeser Turner auf allen großen Deutschen Turnfesten die im Fünf-Jahres-Rhythmus stattfanden, mit Erfolg vertreten.
So 1863 in Leipzig 1898 in Hamburg; 1903 in Nürnberg; 1908 in Frankfurt/Main; 1913 in Leipzig; 1923 in München; 1928 in Köln; 1933 in Stuttgart, 1938 in Breslau.
Der Verein schloss sich nach seiner Gründung gleich dem "Rheinisch-Westfälischen Turnverband" an. in einer vereinseigenen Bibliothek lag die »Deutsche Turnzeitung" für Interessenten aus. Turnfeste in den Nachbarstädten, wie Wesel, Geldern usw. wurden selbstverständlich regelmäßig besucht1869 wurde der Reeser Turnverein 1861'' Mitglied im »Niederrheinischen Turngau. In den Folgendjahren ist eine stete Aufwärtsentwicklung festzustellen. Die Namen der Vorsitzenden. Turnwarte und Vorstandsmitglieder, die nun in den Vereinsprotokollen am häufigsten wiederkehren und deren Träger teilweise lange Jahre dem Verein in treuer Pflichterfüllung dienen, sind folgende: Dr. Winter, Rick, van Randenborgh, Schultz, Decker, Prang, Kempkes, Enk, Nieder, Tangelder und van der Ven. Sie alle haben sich große Verdienste um den Verein erworben.
1957
1957
Reichhaltig war das Zusatzprogramm, das mittlerweile geboten wurde. Das Wandern in Gottes freier Natur wurde gepflegt. Fechtkurse abgehalten, ja, selbst ein vereinseigenes Trommler- und Pfeifer-Corps sowie eine Musikabteilung wurden gebildet. Die älteren Reeser Bürger erinnern sich noch heule gerne der großen Feste, die der Verein im großen Saal bei Disch feiern konnte, wo neben hervorragenden Turnleistungen Reigen mannigfaltiger Art aufgeführt wurden.
Auf einer Gausitzung. 1883 in Rees abgehalten, wurde die Bildung eines Grenzgaues geplant, in dem die Vereine von Kalkar, Goch, Kleve, Rees, Wesel, Bocholt und Emmerich (falls dort ein Verein zustande käme) vereinigt werden sollten. Schon damals wurde also Klar erkannt, dass ein Verband fruchtbringender und effektiver arbeiten kann, wenn er Gemeinschaften in sich vereinigt, die auf Grund ihrer geographischen und sprachlichen Situation zueinander passen. In Riesenbezirken dagegen, wo Großstädte und Kleingemeinden zusammengefasst werden, kommen zwangsläufig die Belange der kleineren Vereine immer zu kurz. Wichtigste Erkenntnis war jedoch, dass der Rhein zwischen Menschen gleicher Mentalität keine Grenze darstellen muss. Diesen Gedanken haben Politiker in der heutigen Zeit wieder aufgegriffen, als man 1975 im Zuge der kommunalen Neuordnung erstmals die Rheinüberschreitenden Kreise Kleve und Wesel schuf.
Im Jahre 1902 wurde dem Schöpfer des deutschen Volksturnens, dem Turnvater Jahn, auch in Rees ein Denkmal gesetzt, das den wunderschönen Platz innerhalb der alten Festungsanlage auf dem Rondell erhielt und am 12. Oktober in aller Feierlichkeit enthüllt wurde. Zahlreiche Nachbarvereine zeigten im Festsaal ihr turnerisches Können. Ein Fackelreigen und ein Festspiel aus dem Leben und Wirken Jahns beschlossen abends diesen für Rees denkwürdigen Tag. Leider sucht man dieses Jahn-Denkmal in Rees heute vergebens. Auch hier haben Bomben und Granaten bei der Zerstörung der Stadt im Frühjahr 1945 »ganze Arbeit" geleistet.
1.
Riege
Wie bereits in der Einleitung gesagt, entwickelte sich zwischen den beiden Reeser Turnvereinen eine gesunde Vitalität, die beide Vereine zu Höchstleistungen in sportlicher Hinsicht anspornte. Keiner wollte dem anderen auch nur ein klein wenig nachstehen. Nicht zuletzt diese Einstellung führte dazu, dass Rees in den folgenden Jahren zu einer Hochburg des Turnsports am Niederrhein wurde und die Turner beider Vereine immer wieder von auswärtigen Wettkämpfen und Turnfesten den begehrten Eichenkranz heimbrachten. Was damals von den Vorständen beider Vereine an Arbeit in selbstlosem Einsatz geleistet wurde, ist vorbildlich geblieben für den Sportbetrieb nachfolgender Generationen in Rees.
Das Jahr 1905 war für den Sportbetrieb in der Stadt Rees insofern sehr bedeutungsvoll, als ein neuer Turnverein, der »Turnerclub Einigkeit« gegründet wurde. Dieser neue Verein, zunächst geleitet von dem l. Vorsitzenden Gerhard Schullenberg, fand ebenfalls regen Zulauf aus der Reeser Bevölkerung, so dass noch im gleichen Jahr, wenn auch unter schwierigen Bedingungen, der Turnbetrieb unter dem l. Turnwart Jean Borgs aufgenommen werden konnte. Hermann Vieth, von dem damals bekannten Turnverein »Jahn Dortmund" kommend, schloss sich im Jahre 1906 dem »Turnerclub Einigkeit" an, brachte neue Impulse nach hier und übernahm sehr bald die Leitung der Turnabteilung, die hierdurch einen sehr starken Aufschwung bekam. Die von ihm gebildete Musterriege errang danach manchen Sieg und Ehrenpreis.
Turnwettkampf
1907 feierte der »Turnerklub Einigkeit» unter seinem neuen Vorsitzenden Wilhelm Hüting ein glanzvolles Fest, verbunden mit einer Fahnenweihe. Zahlreiche Vereine aus der näheren und weiteren Umgebung traten zu den Wettkämpfen an. Ein langer Festzug bewegte sich nachmittags durch die Straßen der Stadt.
Wie bereits in der Einleitung gesagt, entwickelte sich zwischen den beiden Reeser Turnvereinen eine gesunde Rivalität, die beide Vereine zu Höchstleistungen in sportlicher Hinsicht anspornte. Keiner wollte dem anderen auch nur ein klein wenig nachstehen. Nicht zuletzt diese Einstellung führte dazu, dass Rees in den folgenden Jahren zu einer Hochburg des Turnsports am Niederrhein wurde und die Turner beider Vereine immer wieder von auswärtigen Wettkämpfen und Turnfesten den begehrten Eichenkranz heimbrachten. Was damals von den Vorständen beider Vereine an Arbeit in selbstlosem Einsatz geleistet wurde, ist vorbildlich geblieben für den Sportbetrieb nachfolgender Generationen in Rees.
Mittlerweile hatten sich in turnerischer Hinsicht die Frauen und Mädels in Rees emanzipiert. Ebenfalls im Jahre 7907 gründete der "Turnverein 1861 u eineigene Damen-Turnabteilung, die auch bald regen Zuspruch fand.
Ein weiterer Höhepunkt war das 5Ojäringe Vereinsjubiläum des »Turnvereins 1861» am 6. und 7. Mai 1911. Der Ehrenfestausschuss stand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Sanier, der Landrat des Kreises Rees, Graf von Spee, förderte persönlich das Jubelfest und erschien auch bei der Veranstaltung. Es war schon ein glanzvolles Fest, das der Verein zu seinem 50jähfigen Jubiläum arrangierte und ganz Rees nahm mit Freuden daran teil. Der Männergesangverein »Harmonie« stellte sich zur Verschönerung des Festes mit einem vergrößerten Chor in den Dienst der guten Sache. Alle Zeitungen am Niederrhein berichteten In eindrucksvollen Artikeln über den Verlauf des Jubelfestes.
Schauturnen
1958 in der Turnhalle der Grundschule an der Sahlerstraße
An den Spitzen beider Vereine vollzog sich nun ein Wechsel. Während beim »Turnerklub Einigkeit» im Jahre 1912 der Vorsitz in die Hände von Johann Cammann überging, wurde beim »Turnverein 1861« Eduard Loos zum Nachfolger des langährigen und beliebten Konrektor Sievert gewählt.
Am 17. Juni 1914 richtete der "Turnverein 1861 in Rees auf dem Westring das Bezirksturnfest aus. Beide Reeser Vereine beteiligten sich hieran wieder mit großem Erfolg. Eine besondere Leistung vollbrachte Bernhard Kitzinger vom "Turnerclub Einigkeit», der im Ringkampf Erster und damit Bezirksmeister wurde. Der politische Himmel begann sich bereits zu verdunkeln und es dauerte nicht lange, bis der große Weltkrieg im August 1914 ausbrach. Die gute Arbeit der beiden Reeser Turnvereine wurde jäh unterbrochen, als das Völkermorden begann, das vier lange Jahre dauern sollte. Die meisten Turnbrüder mussten das liebe Daheim mit dem Schützengraben an der Front eintauschen, während die Säle Disch und Bettray, in denen noch eben ein so reger und fröhlicher Turnbetrieb herrschte, nicht lange leer standen. Militär-Einheiten wurden hier einquartiert, denn Rees war mittlerweile Garnisonstadt geworden. Vier Jahre Krieg hinterließen große Lücken in den Reihen der Reeser Turnbrüder. Während der »Turnverein 1861» zwanzig tote Turnfreunde betrauerte, wurden vom »Turnerklub Einigkeit» gar 38 Turnbrüder in fremder Erde bestattet.
Hünxe
1957
Eine tiefe Lethargie lag über dem Land. als nach so großen Verlusten und Entbehrungen die Turnfreunde, die das Stahlgewitter von Verdun und Flandern überlebt hatten, in die Heimat zurückkehrten. Doch das Leben ging weiter.
Bereits im Frühjahr 1919 riefen beide Turnvereine ihre Mitglieder zu einer Generalversammlung zusammen. Während beim "Reeser Turnverein 1861" Eduard Loos, Wilhelm van der Ven. Bernhard Pastoors, Carl Schultz. Johannes Abbing, Heinrich Bonert. Heinrich te Pass, Walter Lehmann, Willi Rhom, Heinrich Dresen und Carl van der Ven die Geschicke des Vereins wieder in die Hand nahmen, waren es beim »Turnerklub Einigkeit» vor altem Johann Cammann, Wilhelm Hüting, Johann van Vorst, Josef Neuß, Johann Vennemann, Bernhard Vennemann, Johann Frücht und Fritz Klemme, die das Vereinsschiff aus den Stromschnellen der wirren Zeit wieder in ruhiges Fahrwasser brachten.
Der Turnbetrieb wurde wieder aufgenommen und die Erfolge blieben nicht aus. Dies um so mehr, als die Begeisterung und der Idealismus der Väter von der jetzt aktiven Turnerjugend in gleichem Maße praktiziert wurde.
Beide Vereine unterhielten nun auch gut florierende Schwimmabteilungen, die von echten Reeser »Wasserratten« geleitet wurden. Beim »Turnverein 1861« war es Schwimmwart Abbing, der dieser Abteilung vorstand, während beim »Turnerklub Einigkeit» Willi Drießen die Reeser Jugend mit dem kühlen Naß vertraut machte. Höhepunkt war immer wieder das in jedem Jahr stattfindende Gau-Strom-Schwimmen, das für Senioren auf einer 6 km langen Strecke von Vynen rheinabwärts bis Rees stattfand. Die Jugend schwamm auf einer Strecke von 4 Kilometern, während die schlanken Frauenkörper lediglich 3 km durch die Rheinluten glitten. An diesem Schwimmen beteiligten sich die beiden Reeser Turnvereine immer recht zahlreich. So stellten sie bei der letzten Veranstaltung dieser Art im Jahre 1936 je 98 Teilnehmer, von denen, wie in jedem Jahr, wiederum einige in der Spitzengruppe ankamen. Besonders erfolgreich bei diesem Gau-Strom-Schwimmen war Willi Driesen, genannt »Pottlötje», der einmal als Sieger das Ziel durchschwamm und ein zweites Mal im Feld dieser Spitzenschwimmer den zweiten Platz belegen konnte. Bei dem ständig anwachsenden Schiffsverkehr und der zunehmenden Verschmutzung des Rheinstromes musste diese so beliebte Sportveranstaltung leider eingestellt werden.
Schauturnen
1957 in der Turnhalle der Grundschule an der Sahlerstrasse
Die ständig steigende Anzahl der am Turnsport interessierten Jugendlichen zwang beide Vereinsvorstände immer wieder zu der Überlegung, eine Möglichkeit zu finden, die Übungsstätten aus den Gastwirtschaften in eine geeignete Halle zu verlegen. Die Stadt war nicht in der Lage. derartiges zur Verfügung zu stellen, denn alle Reeser Schulen besaßen zu diesem Zeitpunkt noch keine Räumlichkeiten in entsprechender Größenordnung. Endlich bot sich eine Möglichkeit! Die in unmittelbarer Nähe der katholischen Volksschule an der Fallstraße gelegene Lagerhalle der Firma Oldenkott wurde den Reeser Turnvereinen unter der Bedingung überlassen, dass die notwendigen Umbau und Renovierungsarbeiten von den Vereinsmitgliedern in Eigenleistung erbracht würden. Die hierfür erforderlichen Materialien stellte die Stadt bereit.
Die Freude der Turner war groß. Jahrelange Wünsche konnten nun in die Tat umgesetzt werden. Kein Wunder, dass beim Zupacken so vieler fleißiger Hände das Werk bald seiner Vollendung entgegenging. Da stand sie nun: eine Turnhalle, die den Sportbetrieb in Variationen und Dimensionen erlaubte, von denen man bisher nur zu träumen gewagt hatte. Die Turner hatten ein echtes Zuhause gefunden.

Nicht so glücklich waren jene Sportler, die sich als Fuß und Handballer oder gar als Leichtathleten betätigen wollten. Entsprechende Sportplätze waren in der Stadt Rees noch nicht vorhanden. Eine Faustball-Mannschaft des »Turnerklubs Einigkeit« trainierte und absolvierte ihre Spiele auf dem Westring. Trotz dieser primitiven Voraussetzungen schaffte diese Mannschaft mit Energie und Ehrgeiz die Meisterschaft im Turngau. Erst als sich aus der Spielabteilung des »Turnvereins 1861" der »Sportverein Wacker« gebildet hatte, wurde notgedrungen seitens der Stadt auch Gelände für einen Fußballplatz zur Verfügung gestellt. Da dieser Platz und die vorhandenen Mittel aber für die Herrichtung einer zusätzlichen Aschenbahn und Sprunggrube nicht ausreichten, gingen die Leichtathleten wieder leer aus.
Doch steter Tropfen höhlt den Stein. Langwierige Bemühungen und ständiges Am-Ball-Bleiben führten auch hier zum Ziel. Zunächst konnte sich der »Turnverein 1861» auf dem Hübers'schen Gelände an der Empeler Straße mit eigenen finanziellen Mitteln und Stiftungen eine Spielwiese mit Sprunggruben und später ein kleines Vereinshaus errichten. Dem »Turnerklub Einigkeit« wurde nach vielen Vorbesprechungen und Verhandlungen ein Gelände an der Wardt'schen Straße zur Verfügung gestellt, worauf seitens des Vereins, ebenfalls in reiner Eigenleistung und ohne finanzielle Unterstützung, ein mustergültiger Sportplatz mit Aschenbahn und Sprunggruben erstellt wurde. Wer hier erleben durfte, wie Abend für Abend zahlreiche Vereinsmitglieder bestrebt waren, aus einer unebenen Wiese einen allen Wettkampfrichtlinien entsprechenden Sportplatz herzurichten, der wird auch den Stolz begreifen, den alle hieran Beteiligten nach der Fertigstellung mit Hecht empfanden. Rund 3.000 Kubikmeter Erde waren »von Hand" bewegt worden, ein mehrere hundert Meter langes und sehr dickes Drahtseil, das vorher der Reeser Fähre für den Gierverkehr über den Rhein gedient hatte, wurde von WO Vereinsmitgliedern auf der Schulter herangeschleppt, überholt und als Aschenbahn-Begrenzung montiert.
1.
Riege mit Übungsleiterin Inge Schütt
Diese Wettkampfstätte, seiner Zeit eine der schönsten im Kreise Rees, war nicht nur ein Aushängeschild des Vereins, sondern gleichzeitig ein Schmuckstück für die ganze Stadt Rees. Kein Wunder, dass der Rhein-Lippe-Gau diese Anlage für die Austragung des Gau-Turntestes 1933 erkor.
Nach der Fertigstellung der Sportplatzanlage gründete der »Turnerklub Einigkeit» eine Fußball- und Handball-Abteilung. Handball wurde beim »Turnverein 1861" bereits seit Jahren gespielt. Die Wettkämpfe der am Ort rivalisierenden Vereine gegeneinander waren immer Höhepunkte der Saison. Mit nimmermüdem Eifer stand Paul Reiche der Fußball-Abteilung vor. Ihm gelang es nach kurzer Zeit, zwei Senioren- und zwei Jugend-Mannschaften au/'s Spielfeld zu schicken, die manchem alteingesessenen Verein in der weiteren Umgebung das Fürchten lehrten. Die Erfolge blieben dank des enormen Trainingsfleißes dieser Sportler nicht aus.

Mittlerweile hatte Gerhard Heuser seit 1928 das Amt des Turnwarts beim »Turnverein 1861« übernommen. Mit Energie und Freude füllte er diesen Posten aus, und die ganz besondere Liebe zur Jugend war das Markenzeichen dieses Mannes. Die Bezeichnung »Onkel«, die ihm Turner und Turnerinnen zugelegt haben, zeugt von der Verehrung, die ihm allseitig von der aktiven Turnerschafft entgegengebracht wurde.
1930 beging der »Turnerklub Einigkeit" im großen Rahmen sein 25jähriges Stiftungsfest. Neben zahlreichen Nachbarvereinen zeigte auch die Gau-Werbe-Riege ihr Können. Ein riesiger Festzug bewegte sich zum Reeser Marktplatz, wo alle beteiligten Vereine, unter den Blasmusik-Klängen der Oldenkott Kapelle, gemeinsam Freiübungen vorführten. Die zahlreich erschienenen Zuschauer zollten der Veranstaltung spontan und anhaltend Beifall. Beim anschließenden Schauturnen bei Bettray musste der große Saal wegen Überfüllung geschlossen werden. Eine Polonaise am Abend mit anschließendem Feuerwerk beendete diesen denkwürdigen Tag.
1958
Wie bereits oben erwähnt, richtete der »Turnerklub Einigkeit" im Jahre 1933 auf seiner hervorragenden Platzanlage das Gau-Turnfest aus. Dabei sollten im wahrsten Sinne des Wortes Sportplatz und Verein eine echte Belastungsprobe erfahren. Allem Pessimismus zum Trotz wurde auch das letzte Vereinsmitglied aktiviert, um das gestreckte Ziel zu erreichen und dem Fest zu einem wirklichen Erfolg zu verhelfen. Um die finanzielle Belastung wieder einmal in Grenzen zu halten, wurden zusätzlich benötigte Turn- und Sportgeräte bei befreundeten Vereinen ausgeliehen und, teilweise auf Handkarren, von Emmerich und Isselburg nach Rees transportiert. Idealismus war Trumpf
Beim Fest waren alle gauangehörigen Vereine mit großen Abordnungen vertreten. Gegen so starke Konkurrenz gelangen gerade den beiden Reeser Vereinen vor zahlreichem heimischen Publikum beachtliche Erfolge. Erinnert werden soll hier nur an den Sieg des «Turnerklubs Einigkeit» in der 4 x 100 Meter-Staffel und einem weiteren Staffelsteg des "Turnvereins 1861 u über 3 x 1000 Meter. Darüber hinaus holten sich so erfahrene Wettkampfturner wie Johannes van Vorst, Heinrich Verhoeven, Hermann Bauhaus, Paul Grüter, Willi Belting und Bernhard Tiggelbeck im Zwölfkampf den begehrten Eichenkranz.

Zurückblickend auf diese wirklich fruchtbaren Jahre der Reeser Turnvereine kann man nur das Fazit ziehen: Mit minimalem finanziellen Aufwand, besessen von einem gesunden Ehrgeiz und beseelt von der Idee Friedrich-Ludwig Jahns erachten es Reeser Sportler, ganz gleich, wo sie auch auftraten, immer wieder zu optimalen Erfolgen.
Im Herbst 1933 griff die Ideologie des mittlerweile in Deutschland an die Macht gekommenen Nationalsozialismus auch in das bis dahin blühende Eigenleben und die Existenz eines jeden Vereins ein. Die sporttreibenden Vereine blieben hiervon nicht verschont. Verdienstvolle Männer, die sich in Verbänden und Vereinen jahrelang um das Wohl und die Belange der Jugend bemüht hatten, wurden, weil sie sich mit dem neuen Regime nicht identifizierten, abgesetzt oder haben ihren Posten zur Verfügung gestellt.
Schauturnen
1957
Um dem Schlimmsten zu begegnen, gründeten die beiden Reeser Turnvereine im Jahre 1933 eine Arbeitsgemeinschaft, die sich in den Folgejahren zunächst sehr segensreich auswirkte. Man glaubte, dem Einfluss der NSDAP hierdurch einen Riegel vorgeschoben zu haben. Doch der Schein trog. Nachdem der »Turnverein 1861 noch im Herbst 1936 ein glanzvolles Stiftungsfest anlässlich des 75. Vereinsjubiläums feiern konnte, woran die Bevölkerung, nicht zuletzt berauscht durch die großen Erfolge der Berliner Olympiade, begeistert Anteil nahm, wurden beide Reeser Turnvereine noch im gleichen Jahr »auf höhere Weisung hin liquidiert. Die Partei verfügte den Zusammenschluss der am Ort befindlichen sporttreibenden Vereine. Der "Turnverein 1861", der "Turnerklub Einigkeit« und der »Sportverein Wacker« wurden zu einem neuen Verein zusammengeschmolzen, der »Turn- und Sportgemeinschaft {TUS) Rees». Alte Vereine hatten aufgehört, zu bestehen. Alte Traditionen gingen dahin.
Der Vorstand des neuen Vereins setzte sich bei der Gründung wie folgt zusammen
Heinrich Drommelschmidt 2. Vorsitzender
Johannes van Vorst Oberturnwart
Willi Belting Stellvertretender Oberturnwart
Gerhard Heuser Jugendturnwart
Heinrich Gretsch Fußballobmann
Paul Reiche Stellvertretender Fußballobmann
Zwar bemühten sich diese Männer, die sich durch sportliche Bande seit Jahren verbunden fühlten, den Sport in Rees auch weiterhin auf hohem Niveau zu halten. Doch die Masse der Mitglieder, denen das bewährte und beliebte Vereins-Daheim genommen war, machte hier nicht mit. Immer mehr aktive Sportler zogen sich zurück, nicht zuletzt deswegen, weil politische Schulungen und Richtlinien immer mehr in jedes Vereinsleben eingriffen. Wer nicht parteikonform dachte, galt sowieso als Außenseiter. Das Jugendturnen wurde weitgehend beeinflusst von Vorschriften und Wettkampfregeln, die seitens der »Hitler-Jugend« erlassen wurden. Wen wundert's, dass unter solchen Verhältnissen jedes Eigenleben eines Vereins verkümmern musste? Während in den früheren Reeser Vereinen zwei erstklassige Turn-Riegen um Sieg und Lorbeer stritten, war man jetzt kaum noch in der Lage, eine Wettkampf-Riege aufzubieten. Den Fußballern erging es nicht anders. Wo früher zwei Vereinsmannschaften in spielstarken Klassen ihre Erfolge errangen, sank auch hier das Leistungs-Niveau auf ein Minimum herab. Dies führte im krassesten Falle dazu, dass zu angesetzten Meisterschaftsspielen nicht angetreten wurde, weil bei der Mannschaftsaufstellung keine elf Spieler nominiert werden konnten.
1957
Diejenigen, die den Zusammenschluss dieser drei Vereine unter positiven Aspekten gesehen hatten, mussten enttäuscht feststellen, dass das Gegenteil eingetreten war. Eine Fusion kann nur dann sinnvoll sein, wenn sie von allen Mitgliedern mit Begeisterung getragen wird, und steht immer dann unter einem schlechten Stern, wenn sie gegen den Willen der davon Betroffenen herbeigeführt wird. Nicht von ungefähr heißt es in dem von uns so häufig gesungenen Turnerlied in der letzten Zeile:
»Großes Werk gedeiht — nur durch Einigkeit«
Es verblieb jedoch nicht viel Zeit, diesen trüben Gedanken nachzuhängen. Die politische Situation in Europa trieb dem Siedepunkt entgegen, und es waren gerade zwanzig Jahre seit dem verlorenen ersten Weltkrieg vergangen, als am 1. September 1939 ein neues Sturmgewitter die Welt aus den Angeln riss — ein Weltenbrand, wie er in diesen Ausmaßen und in dieser Grausamkeit alles bisher Gekannte in den Schatten stellte. Durch die Aktivierung auch der letzten Wehrfähigen kam der Turnbetrieb fast ganz zum Erliegen.
1.Riege
TV Rees
Vom Nordpol bis Afrika, von der Kanalküste bis Moskau, ja auf allen Weltmeeren kämpfte die deutsche Jugend einen heroischen, aber letzten Endes aussichtslosen Kampf. Und wie groß waren die Opfer! Wer nennt all die Stätten, an denen deutsche Soldaten, an denen Reeser Turnbrüder, fern von der Heimat, in fremder Erde zur letzten Ruhe bestattet wurden. Kein noch so pathetisches Reden über Heldentum und Opfermut vermag den Frauen ihre Männer, den Müttern ihre Söhne und den Kindern ihre Väter wiederzugeben, die ihrerseits das Wertvollste hergaben, zu dem ein Mensch fähig ist, das eigene unersetzbare Leben.
Als im Frühjahr 1945 die Kriegsfurie in einem gewaltigen Inferno über den Niederrhein hinwegging, sank auch, fünf Minuten vor zwölf, unsere geliebte Heimatstadt noch in Schutt und Asche. Was die Bomber der Royal Air Force am 16. Februar 1945 nicht restlos schafften, vollendete am 23. März die feindliche Artillerie, die in einem bis dahin nie gekannten Furiose dem »Schatzkästchen am Niederrhein den Todesstoß versetzte. Und hier nenne ich die Opfer, die eine kleine Stadt am Niederrhein dem Größenwahnsinn einer kleinen Clique von Volkserführern bringen musste:
391 gefallene und vermisste Söhne unserer Stadt
125 Ziviltote, von Bomben und Granaten zerrissen
Eine zu 85% zerstörte Stadt.

Fürwahr, eine grausige Bilanz des Todes!
Widmen wir diesen toten Mitbürgern wie auch den Im ersten Weltkrieg gefallenen Reesern einen stillen Augenblick des Gedenkens.
Und neues Leben wächst aus den Ruinen
Was in jenen Tagen keiner für möglich gehalten hatte, geschah. Auch dieser gewaltige Schicksalsschlag löschte die Hoffnung in der Reeser Bevölkerung nicht aus. Zuerst zögernd, aber unaufhaltsam ging man an den Wiederaufbau der Vaterstadt. Als Resultat präsentiert sich heute wieder eine prächtige Kleinstadt ihren Besuchern. Der Wille zum Leben hatte gesiegt!
Ähnlich verhielt es sich mit dem Sportbetrieb. Bereits 1945 wurde in Rees wieder ein Sportverein gegründet, dessen Betätigung zunächst nur auf das Fußballspielen begrenzt war. Gespielt wurde auf dem alten Sportplatz an der Wardt'schen Straße. Als die Stadtenttrümmerung in Angriff genommen wurde, hat man dieses niedrig gelegene Gelände zur Ablagerung der Schuttmassen verwandt. Der »Sportverein 1945« bekam einen neuen Platz an der Bergswicker Straße zur Verfügung gestellt, auf dem bis zum heutigen Tage der Spielbetrieb abgewickelt wird.
1958
Den Turnern fehlte für den Neubeginn jede Voraussetzung. Sie waren zwar auch Mitglied im »Sportverein 1945u, doch war weder eine Halle vorhanden noch hatten irgendwelche Turngeräte den Krieg überlebt. Nachdem drei Kokosmatten beschafft werden konnten, sammelte »Onkel« Heuser die ersten Unentwegten um sich und begann in den niedrigen Kellerräumen der damaligen katholischen Volksschule mit einem bescheidenen Bodenturnen. Eine Handballabteilung, trainiert von Hermann Grütter, wurde gegründet und nahm mit wechselndem Erfolg an den Meisterschaftsspielen teil. Um die Vereins-Finanzen zu schonen, fuhr man mit dem Fahrrad in die Nachbargemeinden bis nach Bocholt und Rhede, absolvierte das Handballspiel und kehrte auf dem gleichen Wege nach Hause zurück. Wesentlich erfolgreicher war die Damen-Handballmannschaft, die auf Grund ihrer Spielstärke in der weiten Umgebung keinen Gegner zu fürchten brauchte. Geleitet und trainiert von Gerhard Heuser, beendete sie selbst Spiele gegen so namhafte Mannschaften wie »Duisburg 48/99« siegreich.

Erst im November 1950 konnte dann wieder ein geregelter Turnbetrieb aufgenommen werden. Ein größerer Raum im alten Gaswerk, zur Turnhalle umfunktioniert, und die Anschaffung neuer Turngeräte mit finanzieller Unterstützung aus Mitteln des Fußball-Toto schufen hierfür die Voraussetzungen. Zu den alten »Vorkriegs-Turnern« gesellten sich junge Freunde, die verstärkt Freude an dieser Sportart fanden. Es war schon ein frohes und geselliges Völkchen, dass sich dort munter an den Geräten tummelte. Erste Erfolge stellten sich ein und das Selbstbewusstsein stieg, als die jungen Turner von auswärtigen Wettkämpfen wieder die begehrten Eichenkränze und Urkunden heimbrachten.
Immer wieder aber gingen die Gedanken in die Vergangenheit, wenn die älteren Turnbrüder von den großen Zeiten der Reeser Traditions-Turnvereine berichteten. Der Wunsch, wieder einen eigenen Turnverein zu gründen, war unüberhörbar geworden.
Endlich war es dann so weit! Im Jahre 1955 fassten einige Turnbrüder den Beschluss, die Vereinsgründung in die Tat umzusetzen. In zahlreichen Vorbesprechungen wurde das Ziel abgesteckt und der gemeinsame Weg gefunden. Am 2. Juli 1955 fand dann die Gründungsversammlung statt, die von 35 Interessenten besucht war. Mit einem erneuten Bekenntnis zu der Idee Friedrich-Ludwig Jahns und den Idealen der alten deutschen Turnbewegung wurde der »Turnverein Rees« aus der Taufe gehoben. Die Turner sollten hier wieder eine Heimat finden. 27 alte Turnfreunde schlössen sich spontan diesem neuen Verein an. Aus den Reihen der Anwesenden wählte man den ersten Vorstand, der sich wie folgt zusammensetzte:
I, Vorsitzender W. G. Maas
II. Vorsitzender Johann van Vorst
Geschäftsführer Stefan te Baay
Kassierer Jakob Pickmann
Oberturnwart Ernst Schullenberg
Turnwart Leo Spickermann
Leichtathletikwart Hugo Weiser
Jugendwart Hubert Dahmen
Pressewart Willi Belting
Der Startschuss war gefallen, die Arbeit konnte beginnen. Ein aktives Turnen unter optimalen Bedingungen wurde ermöglicht in einer neuen modernen Turnhalle an der katholischen Volksschule, die dem jungen Verein seitens der Stadt Rees zur Mitbenutzung überlassen wurde.
Der neue Turnverein, zunächst auf sich allein gestellt, bemühte sich alsbald um die Mitgliedschaft in den überregionalen Sportverbänden. Am 1. Januar 1956 erfolgte die Aufnahmen in den »Rheinischen Turnerbund«. Der »Turnverein Rees wurde dem Turngau Oberhausen-Bocholt angegliedert. Die gleichzeitige Mitgliedschaft beim »Westdeutschen Leichtathletikverband« und dem »Leichtathletikverband Niederrhein schufen die Voraussetzungen für eine überörtliche Förderung und Betreuung im Rahmen der großen deutschen Turn- und Sportgemeinschaft.
Immer mehr Turnschwestern, Turnbrüder, Schülerinnen und Schüler fanden den Weg zu dem neuen Turnverein. Bereits am 1. Januar 1956, also sechs Monate nach der Vereinsgründung, konnte dem »Rheinischen Turnerbund« die stattliche Anzahl von 133 Mitgliedern gemeldet werden. Dem sprunghaften Ansteigen der Mädchen- und Jungenriegen standen zu Anfang nur wenige Übungsleiterinnen und Übungsleiter gegenüber. Turnschwester Inge Schutt, ständig bemüht um das Wohl der ihr Anvertrauten, fand tatkräftige Hilfe durch Frau Sander. Erich Prietzel, der mittlerweile Ernst Schullenberg als Oberturnwart abgelöst hatte, wurde in der Betreuung der Schüler- und Jugendriegen unterstützt durch die Turnbrüder Stefan te Baay, Ewald Jansen, Egon Wickermann und Gerhard Heuser.
Am 13. Mai 1956 fand in der neuen Turnhalle die erste öffentliche Werbeveranstaltung des »Turnvereins Rees statt. Sie wurde ein voller Erfolg. Der damalige Bürgermeister, Rektor Johann Meisters, erklärte bei der Begrüßung: »Durch diese Veranstaltung erhält die Halle heute erst ihre eigentliche Weihe!«
Der Turnbetrieb wurde immer vielseitiger und die Leistungen verbesserten sich ständig. So nahmen am 15. Juli 1956 bereits 18 Turnerinnen, Turner und Leichtathleten am Kreisturnfest in Hiesfeld teil. Die Mehrzahl kam, mit dem Eichenkranz geschmückt, heim. Für den 12. Januar 1957 lud der Vorstand alle Mitglieder zu einem Vereinsabend mit Tanz in den Saal van den Hövel ein. Dieser Abend fand so großen Anklang, dass sich aus dieser Veranstaltung heraus ein jährlicher bunter Kostümball entwickelte, der heute

In dem Veranstaltungskalender des Vereins und der Stadt Rees zu einem festen Bestandteil geworden ist.
Am 28. Januar 1957 wurde in Wesel auf einer Versammlung aller Sportvereine des Kreises Rees die Gründung des Kreissportbundes beschlossen. Auf Einladung von Paul Rommel, dem Vorsitzenden des »Emmericher Turnvereins», wurden vom »Turnverein Rees W. G. Maas, Johann van Vorst und Stefan te Baay als Abordnung entsandt. Im gleichen Jahr noch wurde auch in Rees der »Stadtverband für Leibesübungen« gegründet, dessen erster Vorsitzender Rudolf Suchsland wurde, der gleichzeitig den Vorsitz beim »Reeser Kanu-Club« innehatte. Ein Bühnen-Schauturnen, von allen Abteilungen des »Turnvereins Rees« am 26. Mai 1957 in der Turnhalle veranstaltet, fand bei der recht zahlreich erschienenen Bevölkerung großen Beifall.

Auf der Jahreshauptversammlung am 9. August 1958 wussten alle Übungsleiter über große Fortschritte und Erfolge ihrer Abteilungen zu berichten. Nach den durchgeführten Neuwahlen setzte sich der Vorstand des »Turnvereins Rees« nunmehr wie folgt zusammen:
I. Vorsitzender Johann van Vorst
II. Vorsitzender W. G. Maas
Geschäftsführer Stefan te Baay
Kassierer Benno Tiggelbeck
Oberturnwart Erich Prietzel
Jugendwart Inge Schutt
Beisitzer Beisitzer Willi Ahnendorp Berni Frücht

Die Erwartungen, die alle Verantwortlichen an die Gründung des Vereins geknüpft hatten, wurden bereits bei weitem übertroffen. Stolz konnte Johann van Vorst im Jahresbericht 1959 verkünden, dass die Zahl der Mitglieder bereits auf 345 angewachsen war. Immer wieder liest man in den Versammlungsprotokollen aus dieser Zeit den Aufruf, mehr Turnschwestern und Turnbrüder möchten sich für die Jugendarbeit als Übungsleiter zur Verfügung stellen.
Beim Landesturnfest, das im Jahre 1960 in Rheydt durchgeführt wurde, waren zahlreiche Reeser Turner und Leichtathleten vertreten. Der »Turnverein Rees« stellte 17 Sieger und stand mit diesem Erfolg an erster Stelle aller teilnehmenden Vereine des Turngaues Oberhausen-Bocholt. Die neue Vereinsfahne, von Oberturnwart Erich Prietzel stolz ins Stadion getragen, erfuhr bei diesem Turnfest in Rheydt ihre Weihe.
So glücklich, wie die Turner über die sehr guten Trainingsmöglichkeiten in der modernen Halle waren, so benachteiligt waren die Leichtathleten in Ermangelung eines geeigneten Sportplatzes mit Aschenbahn und Sprunggrube. Die Beschaffung eines entsprechenden Grundstücks wurde daher jetzt das erklärte Ziel des Vereinsvorstandes.
Die intensiven Bemühungen waren bald von Erfolg gekrönt. Nachdem die Stadt Rees ein der katholischen Kirche gehörendes Wiesengelände an der Lindenallee zur Verfügung gestellt, und Landesregierung, Kreis und Stadtverwaltung, Landessportbund und Fußballtoto GmbH ihre finanzielle Unterstützung zugesagt hatten, konnte die Gestaltung des Sportplatzes durch den Verein in Angriff genommen werden.
Wieder einmal wurde an den Idealismus der Mitglieder appelliert, um die riesige Arbeit, die als Eigenleistung erbracht werden musste, zu bewältigen. Neben zahlreichen jüngeren Helfern stellten sich insbesondere einige alte Turnbrüder Tag für Tag in den Dienst dieser guten Sache. Johann van Vorst, W. G. Maas, Daniel Prietzel, Johann Vennemann, Bernhard Vennemann, Heinrich Heuser, Theodor Cornelissen, Heinrich Seelen, Johann Rütter, Heinrich Drommelschmidt und Bernhard Wickermann, alles Turnbrüder, die längst das Rentenalter erreicht hatten, waren, soweit es die Witterung und ihre Gesundheit zuließen, unermüdlich tätig, um das gesteckte Ziel zu erreichen.
1961 war es dann soweit — das große Werk war gelungen! Ein prächtiger Sportplatz, »Jahn-Kampfbahn an der Lindenallee» genannt, konnte seiner Bestimmung übergeben werden. Dies geschah anlässlich der erstmals in Rees durchgeführten »Niederrheinischen Kampfspiele« unter dem Motto »Einhundert Jahre Turnen in Rees«. Zur Platzeinweihung zogen die Mitglieder und alle Teilnehmer in einem großen Festzug vom Marktplatz zur Lindenallee.

Die neue Platzanlage verschaffte nun auch den Leichtathleten optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen. Hierdurch bedingt fand auch diese Sportart in kurzer Zeit zahlreiche neue Mitglieder, die schon recht bald von Erfolg zu Erfolg eilten. Alle Siege hier zu nennen, die bei Kreis- und Gauveranstaltungen errungen wurden, würde den Rahmen dieser Festschrift sprengen.
Wer rastet, der rostet! Diese alte Volksweisheit hatte sich auch wohl der Vorstand des Turnvereins zu eigen gemacht, als er im Jahre 1963 daran ging, ein weiteres Projekt in die Tat umzusetzen. Auf dem Gelände des neuen Sportplatzes wurde ein Vereinsheim errichtet. Eine leerstehende Baracke, in Wesel ausfindig gemacht, wurde dort abgebrochen, nach Rees transportiert und hier von vielen fleißigen Händen wiederaufgebaut. Dieses Vereinsheim, heute ausgestattet mit Umkleideräumen, Brausen, Toiletten, Tagungsraum und einer gut eingerichteten Küche trug in den Folgejahren dazu bei, dass das Vereinsleben wesentlich intensiver gestaltet werden konnte. Umfangreiches Mobiliar, teils gekauft, teils von den Mitgliedern unentgeltlich zur Verfügung gestellt, verleiht den Räumlichkeiten eine derartige Atmosphäre der Behaglichkeit, dass neben Vorstandssitzungen und Versammlungen Turnbrüder und Turnschwestern schon so manche fröhliche Stunde im Kreise Gleichgesinnter hier verbringen konnten. Dies soll auch in Zukunft so beibehalten werden.
1959 /
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kehrten gleich sieben Teilnehmer als Turnfest-Sieger heim. Im Gerätevierkampf der älteren Wettkämpfer siegten Willi Belting, Berni Frucht und Benno Tiggelbeck. Sieger im leichtathletischen Dreikampf wurde Walter Deppe und im Schwimmen Albert Rütter. Im Hauptkampf der Leichtathleten waren Fritz Küppers und Karl-Heinz Joris erfolgreich. Darüber hinaus errangen auf dieser Veranstaltung Willi Belting, Berni Frücht, Benno Tiggelbeck und Karl-Heinz Joris das goldene und Walter Deppe das silberne Mehrkampfabzeichen. Mittlerweile war am deutschen Leichtathletikhimmel ein Stern aufgegangen, der vom »Turnverein Rees« seinen Ausgang nahm. Dorothee Sander, hier gefördert und trainierend, wurde bei den leichtathletischen Jugendmeisterschaften im Jahre 1963 deutsche Jugendmeisterin im 100 Meter-Lauf. Dies war der erste deutsche Meistertitel, der je einem Reeser Sportler verliehen wurde. Es sollte nicht der letzte sein.
Aus der Fülle ihrer hervorragenden Leistungen und Siege sollen hier beispielhaft nur genannt werden:
1962 Niederrhein-Meisterin im Weitsprung
1963 Deutsche Jugendmeisterin im 100 Meter-Lauf
1964 Zweite im Weitsprung bei den deutschen Meisterschaften in Berlin
Siegerin im 100 Meter-Lauf und in der 4 x 100 Meter-Staffel beim Vergleichskampf Belgien-Holland-Niederrhein.
1965 Deutsche Hallenmeisterin im Weitsprung und im 60 Meter-Lauf
1966 Siegerin im Weitsprung bei den Europa-Meisterschaften in Dortmund Zweite im Weitsprung bei den deutschen Meisterschaften in Kiel

Turnschwester Dorothee Sander machte hierdurch den »Turnverein Rees und ihre Heimatstadt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Bedingt durch ihr Studium verließ Dorothee im Jahre 1966 Rees, schloss sich daraufhin dem USC Mainz und später dem TUS Leverkusen an, wo sie die in Rees begonnene Erfolgsserie fortsetzte. Sie hat nach Beendigung ihrer Karriere alle errungenen Pokale, Medaillen und Plaketten aus Dankbarkeit dem »Turnverein Rees vermacht. Diese Erinnerungsstücke haben einen Ehrenplatz im Vereinsheim erhalten.
Neben der besonderen Förderung, die diese Spitzensportlerin durch den Verein erfuhr, kam die Breitenarbeit nicht zu kurz. So war der »Turnverein Rees» beispielsweise auf allen Deutschen Turnfesten immer wieder durch Wettkämpfer vertreten, die sich auf Grund ihrer Leistungen in die Siegerlisten eintragen konnten. Als erfolgreiche Teilnehmer seien hier genannt:
1958 in Hamburg Johann Rütter und Söhne Hans und Albert 1968 in Berlin Johann van Vorst, Erich Prietzel und Ludwig Nottenkämper 1973 in Stuttgart Erich Prietzel und Ludwig Nottenkämper 1978 in Hannover Neun jugendliche Teilnehmerinnen brachten 5 Siegerurkunden und 9 Trimm-Medaillen mit nach Hause Seit ihrer Gründung hat die Leichtathletik-Abteilung des »Turnvereins Rees« Immer wieder mit besonderen Leistungen aufwarten können. Die Übungsleiter Heinrich Claßen, Egon Wickermann und Hans Möllmann (hervorragend assistiert von seiner Frau Heti) verstanden es, Talente zu entdecken und diese durch spezielle Trainingsmethoden und pädagogisches Geschick zu Höchstleistungen anzuspornen. Auf allen Wettkampfplätzen der näheren und weiteren Umgebung sind Reeser Leichtathleten seit langen Jahren bekannt.

Stellvertretend für viele sollen hier einige Sportler genannt werden, die durch besonders gute Leistungen in der Vergangenheit das Ansehen des Vereins förderten. Besonders erfolgreich waren Horst Krüger, Rainer Bettray, Fritz Küppers, Hans Suchsland, Karl Terstegen, Klaus Kuhlen, »Fips» Schulte-Herweling, Jürgen Fink, Heinz Ry-barzik, Günter Kühnen, Bernd Terhorst, Manfred Evers, Karl-Heinz Joris, Geschwister Grommisch und Rainer Huethorst.
Horst Krüger 1977!

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Leichtathletik: Vor knapp drei Jahrzehnten sprang Horst Krueger 7,27 Meter weit. Bis heute im Kreis Kleve eine unerreichte Weite. Doch wird der Rekord in diesem Sommer wohl geknackt. Ein 16-Jähriger ist dabei, den „Sprung ins nächste Jahrtausend“ auszulöschen.Kreiskleve Das Leichtathletik-Pfingstsportfest des Vereins für Leibesübungen Merkur Kleve besaß jahrzehntelang einen ausgezeichneten Ruf. Wer was drauf hatte, der durfte hier starten. Kein Butterbrotsportfest, um Urkunden abzuholen. Am 30. Mai 1977 war Horst Krueger vom TV Rees einer der Teilnehmer, die darauf aus waren, schon früh in der Saison eine ordentliche Leistung zu erzielen. Was Krueger vor knapp 30 Jahren schaffte, wird seitdem immer wieder im Jahrbuch des Kreises Kleve abgedruckt. Unter der Rubrik Kreisrekorde, Männer, Weitsprung steht: 7,27 Meter, Krueger, Horst, 53, TV Rees, 30.5.1977, Kleve. Bob Beamons Weitsprung-Weltrekord aus dem Jahr 1968 hielt 23 Jahre, der von Horst Krueger wird am 30. Mai 30 Jahre alt.
Krueger startete für den TV Rees. Ein Verein mit reichlich guten Weitspringern. In der ewigen Bestenliste des Kreises Kleve stehen unter den ersten sieben Athleten drei vom TV (siehe untenstehende Tabelle). Als Krueger 1977 im Klever Gustav-Hoffmann-Stadion sich nach 7,27 Meter in den Sand setzte, war er 24 Jahre alt. Sein damaliger Trainer war Egon Wickermann (67). Er weiß heute noch, was für eine Serie sein Schützling in Kleve sprang: Nach 7,18 Meter im zweiten Versuch steigerte Krueger sich im vierten Durchgang auf 7,26 Meter. Mit seinem fünften Sprung verbesserte er den Rekord um nochmals einen Zentimeter.
Heute lebt der 53-Jährige in Andernach. Bei der Rhein-Mosel-Fachklinik arbeitet Krueger als Heilpädagoge und Krankenpfleger. An seinen Rekordsprung erinnert er sich bestens: „Ich habe den Wettbewerb damals gewonnen.“ Einer, den Krueger hinter sich ließ, hört auf den Namen Jürgen Hingsen. „Ein ziemlich arroganter Typ war das. Den konnte kaum einer leiden“, so Krueger. Bei diesem 32. Internationalen Pfingstsportfest des VfL war Krueger auch schnellster Mann über 100 Meter. In 10,9 Sekunden ließ er den Rest der Sprinter hinter sich. Die 7 Meter hatte Krueger zu der Zeit locker drauf. Erstaunlich, mit welchem Aufwand er diese Weite sprang. Nämlich mit fast gar keinem. Erst als 16-Jähriger kam Krueger zur Leichtathletik, das ist eigentlich die Zeit, in der Jugendliche heute wieder damit aufhören. Ein Trainingsweltmeister war der Reeser nicht. Einmal in der Woche, wenn's hoch kam eine zweite Einheit, und das war's. „Die Bedingungen waren damals extrem anders. Ich weiß, dass wir im Winter manchmal den Sand in der Sprunggrube aufgehackt haben, um ein bisschen zu springen“, sagt Krueger. Seine größte Errungenschaft waren damals ein paar Spikes aus Känguru-Leder: „Für die bin ich damals bis nach Hamburg gefahren, die kosteten 70 Mark und haben nichts gebracht.“ Nordrhein-Meister ist Krueger geworden, an nationalen Titelkämpfen hat er nie teilgenommen. Trainer Egon Wickermann ist sich sicher, dass Krueger ein Juwel war: „Der hatte unheimliches Talent für den Weitsprung und brachte die notwendige Schnelligkeit mit.“ Krueger sprang nach seinem Rekord noch zwei Jahre, bevor er sich von der Leichtathletik verabschiedete. Dass seine Marke im Kreis immer noch unangefochten steht, verblüfft ihn: „Eigentlich unglaublich, denn Weitsprung gehört nun wirklich nicht zu den exotischen Disziplinen.“
1991 wäre es beinahe so weit gewesen: Michael Gilbers vom TV Rheurdt kam Kruegers Marke sehr nah: 7,22 Meter sprang der Mehrkämpfer. Doch in dieser Saison ist es wohl so weit: Nicht wenig deutet daraufhin, dass der Rekord geknackt wird. Daniel van Bentum heißt der erst 16-jährige Weitspringer des Kevelaerer SV, der auf dem besten Weg ist, den Namen Krueger, Horst aus der Kreisrekordliste zu löschen. In der Halle steigerte sich der B-Jugendliche auf 7,09 Meter. Sein Trainer Ludwig Klaassen bezeichnet die Chancen als gut, dass van Bentum die 7,27 Meter packt. „Er ist seit Jahren der erste, der diese Marke schaffen kann und auch wird, wenn er sich nicht verletzt“, so Klaassen. Van Bentum ist mit den 7,09 Metern derzeit der beste Weitspringer des Jahrgangs 90 in Deutschland. Sein erster Wettkampf unter freiem Himmel wird wohl die Kreismeisterschaft am Mittwoch/Donnerstag, 9./10. Mai, sein. Knackt er dort Kruegers Rekord, hätte er diesen kurz vor seinem 30. Jahrestag ausradiert. Krueger ist es egal. Er blickt gelassen auf das drohende Ende nach drei Jahrzehnten: „Es ist gut, dass er weg ist. Denn es wird auch langsam Zeit.“
Weitsprung-Rekorde
Weltrekord: 8,95 m, Mike Powell, USA, 1991
Europarekord: 8,86 m, Robert Emmijan, URS, 1987
Deutscher Rekord: 8,54 m. Lutz Dombrowski, SC Karl-Marx-Stadt, 1980
Leichtathletik-Verband-Nordrhein-Rekord (LVN): 8,21 m, Nils Winter, Bayer Leverkusen, 2005

Im Laufe der letzten Jahre wurden weitere Sportarten in das Programm des Turnvereins aufgenommen, wodurch die Bildung neuer Abteilungen erforderlich wurde. So leitet beispielsweise Turnschwester Renate Arentsen heute das »Kleinkinderturnen, wobei die Jüngsten bereits im Alter von 3 Jahren mit Spiel und Gymnastik beschäftigt werden.
Eine Faustball-Abteilung für Frauen und Männer wurde unter der Leitung von Albert Rütter aus der Taufe gehoben. Die Männerabteilung wird mittlerweile vom Turnbruder Helmut Diederichs geführt und hat in den letzten Jahren bereits beachtliche Erfolge erzielen können. Helmut Erkeling, gleichzeitig im Sport auf Kreisebene tätig, leitet eine Judo Abteilung im »Turnverein Rees. Jahr für Jahr werden auf den vereinseigenen Sportanlagen von zahlreichen Bewerbern die Bedingungen für den Erwerb des »Deutschen Sportabzeichens» erfüllt. Hierfür ausgebildete Männer und Frauen des Turnvereins stellen sich immer wieder gern für das Training und die Abnahme zur Verfügung. Unter dem Motto »Turnen und Sport für jedermann« steht somit die Breitenarbeit im »Turnverein Rees an erster Stelle. Eine große Anzahl von Übungsleiterinnen und Übungsleitern ist jederzeit bereit, auf der Basis der Körperertüchtigung auch dem letzten Interessierten zu einem Erfolgserlebnis zu verhelfen. Man liest und spricht heute so viel von der »problembehafteten Jugend«. Machen wir auf unsere Art Schluss mit diesem Gerede! Ein Junge, ein Mädel, das sich den hohen sportlichen Idealen verschrieben hat, wird weitgehend vor diesen Problemen und Anfechtungen gefeit sein, denn »in einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist«!
Dass der »Turnverein Rees«, der heute an seinem 25. Geburtstag 500 Mitglieder zählt, die ihm gestellten Aufgaben auch in Zukunft allezeit in Frieden und Freiheit erfüllen möge,
wünschen Ihm die Verfasser Hubert Dahmen Bernhard Tiggelbeck
Der geschäftsführende Vorstand des Turnvereins Rees e.V. im Jubiläumsjahr 1980:
Ehrenvorsitzender Johann van Vorst
Vorsitzender Stefan te Baay
Stellvertretende Vorsitzende Kate Schöter
Geschäftsführer Helmut Isselburg
Kassierer Bernhard Tiggelbeck
Oberturnwart Erich Prietzel
Beisitzer Bernhard Frucht
Beisitzer Edmund Nowak
Jugendwart Frank Ketzinger
Jugendwartin Renate Arendsen
Der Jugendausschuß
Renate Arendsen Britta Arendsen Frank Ketzinger
Egon Wickermann Lutz Möllmann
Frank van Dinther Klaus Prietzel
Abteilungs- und Übungsleiter
Erich Prietzel Klaus Prietzel Renate Arendsen Elisabeth Mertens Elisabeth Coenen Johanna Brey Irmgard Braam Ursula Frucht Gisela Mai Helmut Diederichs Albert Rütter Helmut Erkeling Hans Möllmann Hermann Joris Heinz van Brück
Stimmen zum 25.jährigen
Vor einem Vierteljahrhundert hat unser Turnverein Rees die Tradition des Reeser TV 1861 und des Turnerclubs Einigkeit 1905 neu begründet und stellt so mit Recht sein Jubiläum unter das Motto »120 Jahre Turnen in Rees. «Mit meinem herzlichen Glückwunsch verbinde ich Dank und Anerkennung für die erfolgreiche Arbeit. Nahezu 500 Sportler gehören dem Turnverein an, und er ist damit der mitgliederstärkste Sportverein unserer Stadt. Dass mehr als die Hälfte davon junge Menschen sind, zeugt von dem besonderen Bemühen der Verantwortlichen um unsere Jugend. Der Turnverein Rees trägt wesentlich dazu bei, das Freizeitangebot für unsere Bürger reichhaltiger zu gestalten und ihre Gesundheit und Lebensfreude zu erhalten und zu steigern. Allen, die sich um unseren Turnverein Rees verdient gemacht haben, insbesondere dem Ehrenvorsitzenden Johann van Vorst und dem derzeitigen Vorsitzenden Stefan te Baay und seinen Mitarbeitern gilt mein besonderer Dank. Ich wünsche unserem Turnverein Rees noch viele Jahrzehnte erfolgreicher sportlicher Tätigkeit zum Wohle der Bürger unserer Stadt.
Josef
Tasch
Bürgermeister der Stadt Rees
Dem TV Rees zum 25jährigen Vereinsjubiläum die herzlichsten Glückwünsche. Tatkräftigen Männern ist es im Jahre 1955 gelungen, die seit mehr a/s 100 Jahren in Rees bestehende Turnbegeisterung in einem neuen Verein zu erfassen. Vorbildliche Förderung der Jugend und intensive Breitenarbeit geben vielen Mitbürgern unserer Stadt die Möglichkeit zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung und Stärkung der Gesundheit. Allen Gästen ein herzliches Willkommen zum Jubiläum des Turnvereins in unserer schönen Stadt Rees. Den Verantwortlichen und Mitgliedern möchte ich für ihren großen Einsatz danken. Dem TV Rees wünsche ich auch weiterhin viel Erfolg.
Albert
Eyting Ortsvorsteher
und Schirmherr
Eine 25jährige Vereinsgeschichte mag an sich kein Grund sein, groß zu jubilieren. Für den noch »jungen» Turnverein Rees von 1955 besteht dennoch ein Anlas hierzu. Wir haben bewusst unserem Jubiläum "120 Jahre Turnen in Rees« vorangestellt. Damit wollen wir auf die große Tradition, welche das Turnen in unserer Vaterstadt Rees hat, hinweisen. Wir wissen, dass sich bereits im Jahre 1860 mutige Männer in Rees zusammenfanden, welche den Turnsport nach der Idee des Turnvaters Jahn begannen und dass es dann im Jahre 1861 zur Gründung des »Reeser Turnverein von 1861» kam. Im Jahre 1905 wurde dann ein weiterer Verein, der »Turner-Club Einigkeit" gegründet. Diese Vereine haben über Jahrzehnte erfolgreiche Arbeit für den Sport und hier besonders für unsere Jugend geleistet. Im Jahre 1936 mussten diese Vereine, wie auch andere, ihre Eigenständigkeit im Sinne der so genannten Gleichschaltung aufgeben. Nach dem II. Weltkrieg konnte der Turnsport innerhalb einer Abteilung des 1945 gegründeten Reeser Sportvereins nach und nach wiederbelebt werden. Immerhin dauerte es jedoch 10 Jahre, bis es zur Gründung des "Turnverein Rees» kam. Die Wiederbegründer, 27 an der Zahl. konnten seinerzeit nicht ahnen oder damit rechnen, dass das Vereinsleben und damit der Turnsport einen so großen Aufschwung erleben würde. Wenn wir heute auf die stolze Zahl von fast 500 Mitgliedern davon allein 280 Jugendliche bis 18 Jahren schauen, dann hat damit die Arbeit der vergangenen Jahre doch Früchte getragen. In diesem Sinne sei den damaligen Mitbegründern herzlich gedankt. Der Vorstand und alle für den Sportbetrieb im Verein Verantwortlichen werden sich bemühen, auch in den kommenden Jahren eine erfolgreiche Arbeit im Dienste des Sports und für unsere Jugend zu leisten. Wir grüßen unsere Gäste. Freunde und Gönner. Wir freuen uns auf ihren Besuch bei unseren Veranstaltungen aus Anlass der Festwoche.
Stefan
te
Baay
Vorsitzender
Stimmen zum 50.jährigen
Grußworte von Kurt Nienhuysen
Vorsitzender der Jahre 1991-2005 und jetziger Ehrenvorsitzender
Als ehemaliger Vorsitzender gratuliere ich dem Jubilar Turnverein Rees herzlichst; dabei richtet sich mein Dank an den Vorstand, die Übungs- und Abteilungsleiter sowie an alle Mitglieder, die den Verein erst mit Leben erfüllen. 1991 übernahm ich als aus den Händen von Stefan te Baay den Vorsitz eines intakten Vereins, den ich 14 Jahre später in -so glaube ich wohl- ebenso intaktem Zustand an meinen Nachfolger Markus Beck übergeben habe.
14 Jahre sind zumindest dann ein kurzer Abschnitt im Leben des 50-jährigen Jubilars, wenn man bedenkt, dass seine sportlichen Wurzeln bis ins Jahr 1860 zurückgehen. 1955 begannen 27 Gründungsmitglieder ausschließlich mit dem Angebot „Turnen“, aber dann entwickelte sich der TV im Laufe der Zeit zu einem modernen Mehrsparten-Verein. Auch in meiner Amtszeit wurde die Palette an neuen Sport- und Trendsportarten ständig erweitert.
So gründete sich in den letzten 14 Jahren die Seniorensportgruppe unter Hans Möllmann, Völkerball unter Irmi Braam, Indiaca unter Heidi Sting, Volleyball unter Markus Beck (nachdem der Sportbetrieb zwischenzeitlich eingestellt worden war), Aerobic und Stepdance unter Claudia Churs, Faustball – gab es zwar immer schon, erlebte aber unter Paul Wissing einen neuen Aufschwung
Wir haben an großen auswärtigen Sportveranstaltungen teilgenommen. Erwähnt sei das Internationale Deutsche Turnfest in Hamburg (1994), München (1998), Leipzig (2002), und Berlin (2005), Völkerballturnier in Freyburg an der Unstrut/ Sachsen-Anhalt
Im Gegenzug haben wir selbst große Sportveranstaltungen ausgerichtet: Norddeutsche Meisterschaft im Faustball, 200 Teilnehmer, hervorragend organisiert von Markus Rettig, weiterhin in Zusammenarbeit mit dem Turnverband rechter Niederrhein Völkerballturniere, Breitensportveranstaltungen, Kinderolympiade
Eine letzte Anmerkung ist mir sehr wichtig: Unser Turnverein hat sich nie rein leistungsbezogen positioniert. Das können gewerbliche Anbieter zugestandener Maßen in der Regel besser, wenn gleich man dabei auch anmerken muss: bei deutlich höheren Beiträgen. Wir bieten mehr als „nur“ Sport. Wir bieten Zwischenmenschlichkeit und Geselligkeit. Das dokumentieren Veranstaltungen wie der jährliche (karnevalistische) bunte Abend im Bürgerhaus, die vorweihnachtliche Feier für Senioren, die Nikolausfeier für unsere jüngeren Mitglieder, aber auch (oder besser: insbesondere) die geselligen Veranstaltungen und Ausflüge durch Eigeninitiative der verschiedenen Sportabteilungen. Insofern kommt es auch nicht von ungefähr, wenn eine sehr große Anzahl unserer Mitglieder dem Turnverein aus Treue lebenslänglich verbunden bleiben. So sind 80 Personen über 60 Jahre.
Ich wünsche dem Turnverein Rees für die Zukunft (weiterhin) sportlichen Erfolg sowie ein geselliges und harmonisches Miteinander.
Herzlichst
Kurt Nienhuysen
Nach 14 Jahren Vorstandsarbeit beim TV Rees stellte sich der bisherige 1. Vorsitzende Kurt Nienhuysen nicht mehr zur Wahl. Auf der Jahreshauptversammlung wurde Markus Beck einstimmig zum Nachfolger von Niehuysen gewählt, der als Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden des TV Rees ernannt wurde.

Zudem gewählt wurden der Langjährige Sportwart Günter Daniels zum 2. Vorsitzenden, Wolfgang Stader zum Geschäftsführer, Reinhard Ufermann zum Kassenwart und Gisela Mai zur Schriftführerin. Der Posten des Sportwartes wurde kommissarisch an Günter Daniels vergeben, der damit zwei Funktionen im Vorstand einnimmt. Pressewartin wurde Sandra Tersluisen, als Beisitzerinen fungieren Doris Ufermann und Heike Stader. Mitgliederverwalterin ist Irmgard Daniels. Bei der Jugendversammlung wurde Renè Voss zum 1.Vorsitzenden gewählt. Des weiteren wurden sieben Mitglieder für 25, 40, und 50 Jahre geehrt.
Der
Vorstand im Jahr 2005
Im Jubiläumsjahr wurde auf dem Sportplatz an der Lindenallee groß der 50. Geburtstag gefeiert!

Eine zweite Großveranstaltung war die Ausrichtung des kleinen Deutschlandpokal der Faustballer mit ca. 60 Mannschaften im September auf dem Sportplatz an der Ebentalstraße.
Fotos vom 50. Geburtstag TV Rees
Zur Fortsetzung unser Vereinsgeschichte!
zuletzt bearbeitet am 29.12.2010 13:08